Ausrüstung und Grundlagen

Je nachdem, welche Zugarbeit man mit seinem Hund machen möchte, benötigt man die passende Ausrüstung. Daneben benötigt man aber vorallem einen Hund, welcher weiß, was zu tun ist und welcher ein paar grundlegende Kommandos zuverlässig befolgt.

Die Ausrüstung

Zuggeschirr

Der Hund sollte auf keinen Fall über ein Halsband eingespannt werden. Damit sich die einwirkenden Kräfte möglichst schonend auf den Körper des Hundes verteilen, er in seiner Bewegung nicht eingeschränkt wird und auch ungehindert atmen kann, benötigt der ziehende Hund ein ihm passendes Zuggeschirr. Unter den Zuggeschirren gibt es viele veschiedene Varianten, welche abhängig von der Körperform des Hundes, seinem Zugverhalten und der Art der Einspannung gewählt werden können. Die wichtigsten Punkte, die es bei dem Kauf eines Geschirrs zu beachten gilt sind: 1. Der Halsauschnitt sollte unter Zug nicht so verrutschen, dass die Luftröhre des Hundes eingeengt wird und er Probleme mit der Atmung bekommt. 2. Die Bewegung sollte möglichst wenig gestört werden. Dies betrifft vor allem die Schulterblätter und Oberarme und ggf. auch den Rücken und das Becken, welche besonders im Galopp in Bewegung kommen. 3. Die Riemen sollten breit genug bzw. ausreichend gepolstert sein, damit das Geschirr auch unter Zug angenehm zu tragen ist.

Für Kräfte, welche horizontal nach hinten gerichtet sind, ist der Hauptansatzpunkt für den Zug das Buggelenk vorne an der Brust des Hundes. Kräfte, welche vertikal nach unten gerichtet sind, sollen durch das Zuggeschirr möglichst zentral oberhalb der Vorderbeine auf den Hund übertragen werden. In welche Richtung die auftretenden Kräfte weisen, hängt von der Art der Einspannung an. Ob ein Geschirr unter Zug am Körper des Hundes verrutscht, hängt wiederum davon ab, wo genau sich der Punkt befindet, an dem das Geschirr eingehängt wird und ob die Aufteilung der Kräfte entlang der Riemen korrekt ausbalanciert ist. Aus diesem Grund ist ein kurzes Führgeschirr im Allgemeinen auch nur beschränkt für die Zugarbeit geeignet. Durch die Einschnallung weit vorne und oben am Rücken wird der Großteil der Kräfte über die oberen Riemen direkt zum Halsausschnitt des Hundes geführt und nur wenig Kraft wird über die langen Riemen über Bauch und untere Brust abgeleitet. Dies führt dazu, dass der Halsauschnitt in die Kehle des Hundes rutschen und die Atmung behindern kann.

Das wohl bekannteste Zuggeschirr ist das so genannte X-Back-Geschirr. Seinen Name beschreibt die x-fömig auf dem Rücken verlaufenden Riemen, welche das Geschirr in seiner Form hält. Ein ähnliches Geschirr ist das H-Back Geschirr, welches stattdessen auf dem Rücken einen Querriemen hat. Die Geschirre reichen bis an den Rutenansatz des Hundes, wo die Einspannung erfolgt. Der Zug sollte für diese Geschirre ungefähr waagrecht nach hinten gerichtet sein. Beide Varianten zeichnen sich insbesondere durch eine freie Schulterpartie und freie Schulterblattspitzen aus. Durch eine stegförmige Verlängerung der Riemen über den Schultern kann hier zusätzlich Freiraum geschaffen werden. Die Rede ist dann von einem Collared-Neck-X-Back oder Collared-Neck-H-Back. Bei den H-Back-Geschirren finden sich zusätzlich auch Modelle, deren obere Riemen nicht an einem gemeinsamen Punkt im Nacken des Hundes ansetzten sondern getrennt voneinander seitlich der Schulterblätter zum Halsausschnitt geführt werden.

Bei einem V-Back-Geschirr verzichtet man auf Riemen oberhalb des Hunderückens, um eine besonders viel Freiheit bei der Bewegung der Wirbelsäule zu bieten. Dies ist besonders interessant, wenn man einen Hund hat, welcher viel im Galopp zieht. Hier könnten Riemen auf dem Rücken die Aufwölbung der Wirbelsäule behindern, wenn sie durch die Spannung des Zuggeschirrs den mittleren Rücken nach unten drücken. Die genauer Riemenführung kann unter den V-Back-Geschirren variieren. Es kann beispielsweise wie ein X-Back ohne das „X“ konstruiert sein. Anders dagegen sieht das sog. Faster-Geschirr aus. Dort führen die langen Zugriemen vom Rutenansatz nicht direkt unter den Hund sondern an dessen Seiten des Bruskorbes. Um den Zug von dort zentral auf das Buggelenk zu verteilen, werden die Zugkräfte hinter den Ellenbogen auf zwei Wege, einmal unter den Brustkorb und einmal oben am Brustkorb über die Seiten der Schulterblätter und über den Nacken des Hundes aufgeteilt.

Auch unter den Zuggeschirren gibt es Kurzgeschirre, die einem normalen Führgeschirr teils sehr ähnlich sehen. Im Gegensatz zu den bisher genannten Zuggeschirren befindet sich der Anschnallpunkt beim beim Kurzgeschirr weiter vorne und über dem Rücken des Hundes. Bei einem Zugkurzgeschirr ist der Rimenverlauf im Vergleich zu einem Führgeschirr optimiert, um den Kraftübertrag möglichst so zu gestalten, dass das Kurzgeschirr unter Zug nicht in den Hals rutscht. Wie gut dies funktioniert, hängt stark davon ab, in welche Richtung der Zug geführt wird. Je mehr dieser nach oben zeigt (z.B. bei einem kleinen Hund, bei einer Einspannung oberhalb es Hunderückens und ggf. auch bei einem eher kurzen Zugseil), umso besser bleibt das Kurzgeschirr in seiner Position. Zeigt der Zug dagegen eher waagrecht oder gar nach unten (z.B. großer Hund, Einspannung am Schlitten), ist ein Zugkurzgeschirr dagegen meist weniger geeignet. Wie gut ein Zugkurzgeschirr unter Belastung sitzt, hängt auch stark vom individuellen Körperbau des Hundes ab.

Pulka- oder Cart-Geschirre sind ebenfalls kurze Geschirre. Die Einspannung erfolg dabei nicht über einen, sondern über zwei Punkte, welche sich auf den beiden Körperseiten des Hundes befinden. Daher unterliegt es nicht den selben Einschränkungen bezüglich der Zugrichtung, wie ein Kurzgeschirr mit nur einem Einspannpunkt. Pulkageschirre werden beispielsweise benötigt, wenn der Hund über einen Zugbügel eingespannt werden soll. Sie können aber auch mit Zugleinen benutzt werden.

Zugleinen und Zugbügel

Zur Kraftübertragung werden Zugleinen oder Zugbügel benötigt. Um Kraftspitzen zu verhindern, werden zusätzlich Ruckdämpfer eingebaut. Bei vielen Zugleinen sind diese bereits integriert, sie können aber auch einzeln zwischen Zugleine bzw. Zugstange und Hundegeschirr eingeschnallt werden. Die Länge von Zugleinen und Zugstangen richten sich nach dem Verwendungszweck. Im Fall von Leinen sollte diese immer so gewählt sein, dass zwischen Gefährt und Hund etwas Abstand, um die Gefahr eines Auffahrens auf den Hund gering zu halten.

Über Karabiner können Zugstangen und Zugseile mit dem Hundegeschirr verbunden werden. Bei der Einschnallung zum Gefährt kommen außerdem noch häufig sogennant Panikhaken zum Einsatz. Sie erlauben es, Hund und Gefährt in Gefahrensituationen schnell voneinander zu trennen.

Gefährt

Letztlich muss man sich entscheiden, welches Gefährt man einspannen möchte. Fahrrad, Schlitten, Trike, Scooter, Sacco-Cart, Sulky, Bollerwagen, etc… Eine passende Schutzausrüstung, allen voran ein Helm, ist ggf. auch anzuraten. Insofern das Gefährt vorne über Räder verfügt, kann eine Vorrichtung, welche verhindert, dass ein Zugseil in das Rad hängen kann, von Nutzen sein. Für sog. Bikeantennen gibt es viele verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten, sie können online erworben oder mit etwas Geschick auch selbst gebaut werden.

Sollte man sich für Canicross oder Sporgeräte, welche an den Füßen angebracht werden (Skier, Skates, Skateboard etc.), entschieden haben, fällt das Gefährt natürlich weg und man spannt sich direkt als Person ein. Bei der Einspannung am Körper sollte die Zugkraft möglichst auf die Hüfte übetragen werden, um die Wirbelsäule zu entlasten. Hierfür kann man sich spezielle Canicross- oder Jöriggürtel kaufen oder auch selber etwas passendes konstruieren.

Die Grundlagen

Zughundesport kann auch mit einem Hund, welcher nicht auf seinen Menschen hört, viel Spaß machen. Als richtiges Team unterwegs zu sein, wobei sich einer auf den anderen verlassen kann, ist aber eine noch viel schönere Erfahrung (und auch eine sehr viel weniger gefährliche). Damit das Miteinander auch beim Zughundesport klappt, ist eine allgemein bestehende Grunderziehung und ein gewisser Grundgehorsam des Hundes sehr hilfreich. Ist man auf seinen Sportwegen nicht alleine unterwegs, sollte der Hund auch neutral an anderen Menschen und Hunden vorbei laufen können, um sicher zu gehen, dass er nicht aus vollem Lauf neugierig in den nächsten Zwei- oder Vierbeiner hinein rennt.

Daneben braucht man für den Zughundesport natürlich einen Hund, welcher zieht. In welchem Tempo und mit welcher Ausdauer der Hund das gerne macht, ist sehr individuell. Natürlich kann man das als Halter durch Training und gezielte Förderung  (und ggf. Auswahl des Hundes) beeinflussen. Letztlich muss man sich aber nach den Vorlieben des Hundes richten, damit der Zughundesport eine Beschäftigung wird, welche beiden Spaß macht. Beim Einstieg in die Zugarbeit muss man seinem Hund vermitteln, dass das Ziehen erwünscht ist. Auch dies geschieht unterschiedlich schnell. Mancher Hund lässt sich da nicht zwei mal bitten, manch anderer muss behutsam und Schritt für Schritt lernen, was genau man sich gerade von ihm wünscht.

Ist der Hund soweit, dass er vorne weg laufend ziehen kann, benötigt man in den meisten Fällen auch ein paar Kommandos, um den Hund steuern zu können. Das Grundlegendste ist dabei ein „Schneller“, „Langsamer“, „Rechts“ und „Links“. Das ganze kann nach belieben, z.B. um „Los ziehen“, „Rechte Wegseite“, „Linke Wegseite“, „Anhalten“, verschiedene Tempowechsel usw., erweitert werden. Was genau man seinem Hund beibringt und mit welchen Kommandos ist dabei jedem selbst überlassen.

Ich persönlich habe meinen Hunden sechs Kommandos mit den folgenden Bedeutungen beigebracht: Ziehen, beschleunigen, rechts halten, links halten, verlangsamen, notbremsen.